[Nasional-d] Jakarta und Rebellen schliessen Friedensvertrag
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Tue Dec 10 00:00:20 2002
Montag 9. Dezember 2002, 17:17 Uhr
Jakarta und Rebellen schließen Friedensvertrag
Genf/Banda Aceh (AFP)
Nach 26 Jahren brutaler Auseinandersetzungen um die Provinz Aceh haben die
Regierung von Indonesien und die Rebellenbewegung Freies Aceh (GAM) ein
Friedensabkommen geschlossen. In dem in Genf unterzeichneten Vertrag
verpflichteten sich die Konfliktparteien zu einem sofortigen Waffenstillstand und
zum dauerhaftem Ende der Gewalt. Der Chef-Unterhändler der Regierung, S. Wiryono,
sprach von einem "Sieg für beide Seiten". Für einen langfristigen Frieden bleibe
jedoch "noch viel Arbeit zu tun".
Die Übereinkunft soll einen der ältesten und blutigsten Konflikte Südostasiens
beenden. Das Friedensabkommen bekräftigt den Autonomiestatus, den Jakarta der
Provinz an der Nordspitze der Insel Sumatra bereits im Januar zugestanden hatte.
Für das Jahr 2004 sind Regionalwahlen geplant. Zudem soll die Region künftig 80
Prozent der Einnahmen aus ihren reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen erhalten.
Die GAM forderte bereits kurz nach der Unterzeichnung einen Volksentscheid über
die Unabhängigkeit der Provinz; sie hatte während der Verhandlungen einen Verzicht
auf dieses Ziel in Aussicht gestellt. Rebellenchef Malik Mahmud widersprach diesem
Ansatz nach der Unterzeichnung. Die GAM sei für den Unabhängigkeitskampf gegründet
worden und habe dieses Ziel noch immer, sagte er in Genf. Die Bevölkerung von Aceh
solle selbst über die Loslösung von Indonesien oder ihren Verbleib in dem
Vielvölkerstaat entscheiden können.
Laut dem Abkommen sollen Rebellen und Armee sich in den kommenden zwei Monaten auf
Verteidigungsstellungen zurückziehen. Anschließend sollen die Rebellen mit ihrer
Entwaffnung beginnen. Diese soll nach fünf Monaten abgeschlossen sein.
Internationale Beobachter wurden bereits für Dienstag in Aceh erwartet. Sie sollen
gemeinsam mit Vertretern beider Seiten über die Einhaltung des Friedensabkommens
wachen.
Bei den bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der islamisch orientierten
Rebellenbewegung und den Regierungstruppen in der Provinz wurden seit 1976 mehr
als 10.000 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Zivilisten. Das brutale
Vorgehen der Armee bescherte den Rebellen über Jahre regen Zuwachs aus der
Bevölkerung.
Menschenrechtsgruppen berichteten wiederholt über zahlreiche Fälle von Folter,
Verschleppungen und willkürlichen Festnahmen. Die internationale Gemeinschaft
schenkte den brutalen Auseinandersetzungen in Aceh dennoch kaum Beachtung.